TV Kultur und Kritik
ist im Rahmen einer Übung im Fach Medienwissenschaft an der Universität Regensburg entstanden. Der Blog versammelt Kritiken zu den unterschiedlichsten Facetten der Fernsehkultur, die von arte (Breaking Bad) bis RTLII (Die Geissens) reicht. Ziel ist es eine Kritik zu etablieren, die dem Wesen, der Rezeption und der Faszination für das Format gerecht wird. Wir sind offen für Beiträge, die die Auseinandersetzung mit dem Fernsehen erweitern.

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Dienstag, 21. Juli 2020

M.O.M. – Milf oder Missy

von Laura Käfer
Nun ist also auch Joyn auf den Datingshow-Zug aufgesprungen. Die Prämisse von M.O.M. klingt schon mal ganz vielversprechend: Das erste eigenproduzierte Realityformat des neuen Streamingdienstes von ProSiebenSat.1 möchte laut Pressestatement (wissenschaftlich?) herausfinden, inwiefern das Alter beim Dating eine Rolle spielt. Das ist in der Tat bemerkenswert - in allen anderen gängigen Datingformaten von Der Bachelor (RTL) bis Dinner Date (ZDF) dürfen fast ausschließlich Mittzwanziger bis Mittdreißiger die große Liebe suchen. Dass hier die Kandidatinnen zwischen 24 und 46 alt sind und auf die beiden Kandidaten mit 28 und 57 Jahren treffen, ist auf jeden Fall erfrischend anders und weckt die Hoffnung, dass man aus der Klischeekiste ausbrechen wird. Doch ein erster Blick auf die Folgen zeigt, dass diese Erwartung aber weit gefehlt ist!

Freitag, 3. Juli 2020

Beauty and The Nerd – Fremdschämen pur

von Matthias Fehlner
Als ich letztens, an einem Donnerstagabend zur Prime-Time durch das Fernsehprogramm gezappt habe, blieb ich auf ProSieben bei einer etwas anderen Show hängen. Der vielversprechende Titel lautet: „Beauty and The Nerd“. Leider habe ich die erste Folge verpasst und es lief schon die Zweite der mittlerweile zweiten Staffel (eine Erste wurde 2013 ausgestrahlt, wie ich später erfahren konnte. Allerdings schien sich die Show nicht durchzusetzen und so wagte man in dem Jahr, in dem eh schon alles egal ist und es kaum mehr schlimmer kommen kann, einen zweiten Versuch). Also - neugierig und unvorbereitet wie ich war - habe ich mich dieser etwas ungewöhnlich wirkenden Dating-Reality-Show gewidmet. Die Idee basiert scheinbar auf der schon 2005 produzierten amerikanischen Reality-Show „Beauty and the Geek“.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Bares für Rares – eine seichte, schnelle Entertainment Version von ,,Kunst und Krempel“

von Carolin Wittmann
Was machen ein Briefträger aus Pforzheim, eine Verwaltungsangestellte aus Köln und eine Mutter mit ihrer Tochter in einer Halle voller Gerümpel? Kein Anfang eines Witzes, sondern die ernste Frage, die den Zuschauer bei Bares für Rares vor dem Bildschirm hält. Die seit 2013 im ZDF laufende Serie hat just diesen Mai die 1000 Folgen-Marke gebrochen und nichts scheint den eigentlichen Koch Horst Lichter davor stoppen zu können, dem Publikum die Inhalte deutscher Keller näher zu bringen.

Dienstag, 3. März 2020

FANTASTISCH ODER FANTASIELOS? Die Übernahme unserer lieb gewonnenen Makler-Fernsehserien durch den Streaming-Dienst Netflix. DIE AUSSERGEWÖHNLICHSTEN HÄUSER DER WELT - Eine Netflix Original Serie

von Talena Burger 
Wenn zu Beginn der ersten Folge die Kamera von einer Luftbildaufnahme zu einem auf der Landstraße fahrendem Auto schwenkt, könnte man auch meinen, man hat aus Versehen eine französische Romantikkomödie angeklickt. Doch falsch gedacht, hier dreht es sich nämlich weder um Romantik, noch um Liebesduselei, hier geht es um klare Linien, atemberaubende Natur, Zahlen und Details. Kurz gesagt: hier geht es um Architektur.
Krausig blondes Haar, immer mit zur Folge passendem Outfit und mit einer Vorliebe für Überschwänglichkeit, das ist Caroline Quentin. An ihrer Seite Piers Taylor, der ihren ausgleichenden Ruhepol bildet - funktional gekleidet, schlank und hochgewachsen, sowie mit lichtem Haar wirkt er sehr bedacht und professionell. Die beiden arbeiten das erste Mal zusammen, harmonieren aber sehr gut. Gekonnt führen sie den Zuschauer um den Globus zu den außergewöhnlichsten Häusern der Welt, wie auch der Titel schon verrät.

Schlaue Nasenspitzen in Lukes Schule (Luke, die Schule und ich)

von Johanna Brandl
So lautet der Titel der 4. Episode der dritten Staffel des Formats „Luke die Schule und ich – VIPs gegen Kids“, die am 17.05.2019 um 20:15 Uhr in SAT 1 ausgestrahlt wurde. Die Schulbank drückten dieses Mal Model und Moderatorin Verona Pooth, die Schauspielerin und Moderatorin Ruth Moschner, der Comedian Abdelkarim und der ehemalige Fußballfunktionär Reiner Calmund. Gleich zu Beginn, als die Kandidaten vorgestellt bzw. „eingeschult“ werden, wird die große Intelligenzspanne auf Seiten der Kandidaten deutlich: Verena Pooth erzählt, sie sei ein „achtfacher Mischling“, ist auf Nachfrage aber leider nur in der Lage, fünf verschiedene Nationalitäten aufzuzählen. Außerdem macht sie die Intelligenz der Grundschüler aus Weyer bei Solingen, also der Gegner der VIPs, an der Form ihrer Nasenspitzen fest, wobei auch zur Sprache kommt, dass sie selbst eine operative Veränderung an ihrer eigenen Nase hatte vornehmen lassen.

Wie Guido Maria Kretschmer jahrelang meinen Nachmittag rettete

von Julia Reuel 


15:00 Uhr, unter der Woche, deutsche TV-Privatsender. Wer jetzt an Formate wie Familien im Brennpunkt, Verdachtsfälle und „Talk-Zoffereien“ wie Die Trovatos und Zwei bei Kallwass denkt, dem kann ich es nicht mal verübeln. Das gute alte „Assi-TV“ dominiert seit Jahrzenten das Nachmittagsprogramm der deutschen Privatsender-Landschaft.
„Wer hat denn schon auch nachmittags Zeit das Fernsehgerät einzuschalten?!“. So hat zum Beispiel meine Mutter jahrelang über mich geurteilt, denn ich war so ein Jemand (dem deutschen Schulsystem sei dank!), der die Zeit dafür hatte. Für mich war diese eine Stunde (von 15 Uhr bis 16 Uhr) fast schon jahrelang Routine. Mein Teenager-Ich verpasste kaum eine Folge vom Nachmittagsprogramm des Privatsenders VOX. Um 15 Uhr läuft auf besagtem Sender von Montag bis Freitag das Erfolgsformat Shopping Queen und dies hebt sich irgendwie ab vom „Familien im Brennpunkt-Einheitsbrei“ der anderen Privatsender.
Seit 2012 läuft das Format, vom Konzept her fast unverändert. Seit Anfang an auch nahezu unverändert ist Guido Maria Kretschmer. Er ist der eigentliche Star der Sendung, nicht –wie man meinen könnte–die täglich wechselnde Kandidatin. Seit einigen Jahren gibt es den pinken fett gebrandeten Shopping Bus, früher war der noch unauffällig schwarz oder grau. Und auch die Städte in denen Shopping Queen zu Gast ist, werden irgendwie vielfältiger. Während sich früher die Metropolen wie München, Berlin und Hamburg Woche für Woche die Klinke in die Hand gaben, ist jetzt beinahe jede halbwegs große Stadt mindestens einmal mit der Anwesenheit des pinken Busses beglückt worden. Von Recklinghausen bis Regensburg war fast alles schon dabei und kürte nach fünf Tagen die Shopping Queen. Doch sonst ist alles ziemlich gleich wie vor 7 Jahren, als Shopping Queen zum ersten Mal ausgestrahlt wurde.
Kurz zum Konzept: Jede Woche treten fünf Frauen aus derselben Stadt gegeneinander an. Es gibt ein Motto, dass von Guido Maria Kretschmer höchstpersönlich gestellt wird. Vier Stunden Zeit und 500 Euro, um das perfekte Outfit zum Thema zu finden. Die Regeln sind simpel, die Herangehensweisen der Kandidatinnen dafür sehr unterschiedlich. Spannend ist an Shopping Queen aber nicht das Klamotten einkaufen an sich, sondern das ganze Drumherum. Die Kandidatinnen der Woche sind in der Zeit, in der die Tageskandidatin shoppen ist, bei ihr zuhause und stöbern was das Zeug hält, kommentieren alles, probieren den halben Kleiderschrank der Shoppenden an und machen vor so ziemlich keiner Schublade Halt. Guido Maria Kretschmer kommentiert währenddessen mit seiner perfekt erscheinenden Art von Humor, im O-Ton im rechten Bildrand, die mehr oder weniger geglückten Versuche der Shoppingkandidatin ein Outfit zum Motto zu finden und natürlich auch die Tanzeinlagen, Modenschauen oder Gesangskünste der Kandidatinnen in der Wohnung (was man eben so macht, wenn man bei einer mehr oder weniger wildfremden Frau in der Wohnung ist!). Fast schon legendär ist unter treuen Zuschauern der Satz „Das tut einfach nichts für sie!“. Dieser wird zum Beispiel von GMK verwendet wenn Hilde, 57, aus Dresden meint ein knallgrünes Jersey Kleid für 19,99€ von äußerst schlechter Qualität kombiniert mit weißen Kunstleder Ballerinas und Gärtnerinnen-Strohhut wäre der perfekte Look für eine romantische Gartenparty. Aber auch wenn 20 Jährige Möchtegern-Blogger-Girls meinen, sie hätten das Fashion Rad neu erfunden, wenn sie ein Jeans-Latzkleid mit Doc Martens kombinieren und dann im O-Ton sagen, wie verrückt ihr eigener Style doch wäre. GMK kann eigentlich sagen was er will. Er beschönigt nichts und ist immer ehrlich bei seiner Meinung zu den Looks. Aber trotzdem oder gerade deshalb kann man ihm einfach nichts verübeln, weil er seine Kommentare immer mit der ausreichenden Portion Humor verpackt.
Wieso mich Shopping Queen über Jahre hinweg begleitet hat: ich interessiere mich schon recht lang für Mode. Shopping Queen schafft es aber meiner Meinung nach das ganze Mode-Thema mehr als bodenständig rüber zu bringen. Das Format ist so herrlich normal und vermittelt Spaß an Mode ganz ohne den arroganten abgehobenen Glamour-Size-Zero-Faktor, denn man aus gängigen Magazinen kennt. Mode wird hier auf Hausfrauen-Art wohnzimmertauglich.
Das sieht man auch an der Diversität der Kandidatinnen. Von 70-jährigen Omis über spießige Polo-Shirt-Muttis bis hin zu volltätowierten Gothic-Girls war schon wirklich jeder Typ Frau bei Shopping Queen dabei. Auch innerhalb der Wochen wird von der Produktionsfirma penibel drauf geachtet eine möglichst große Bandbreite an Kandidatinnen auszuwählen, so dass die Kontraste mehr als deutlich werden.
Zu Streit oder Konkurrenzkampf innerhalb der Kandidatinnen kommt es aber dennoch nie. Auch wenn die Outfits natürlich nicht immer die Geschmäcker aller Beteiligten treffen, so hört man bei der Bewertung der Kandidatin verdächtig oft den Satz: „zu dir passt der Look einfach!“.
Ich kann mich auf jeden Fall an keinen Streit erinnern. Und ja, ich habe viele Folgen gesehen. Die Frauen machen durchgehend den Anschein, als hätten sie in dieser einen Woche den größten Spaß überhaupt und neue Freundinnen gibt’s auch gleich noch oben drauf. Mir ist realistisch gesehen natürlich klar, dass das nicht immer so sein wird. Aber ein gutes Gefühl gibt’s dem Zuschauer irgendwie trotzdem. Und das ist auch die Hauptmessage, die Shopping Queen vermittelt. Ein gutes Gefühl. Es bringt Frauen zusammen, die hinsichtlich Herkunft, Alter, sozialem Status und Körperformen unterschiedlicher nicht sein könnten. Und das auf ganz ungezwungene Weise. Spaß am Shoppen haben sie irgendwie alle und das reicht anscheinend um sie miteinander zu verbinden. Auch die Gewinnerinnen der Woche könnten unterschiedlicher nicht sein. Mal wird die gertenschlanke 22 Jährige Studentin, die nebenbei modelt, mal die 60-Jährige Hausfrau mit Kleidergröße 50 zur Shopping Queen gekürt. Vorteile aufgrund ihres Aussehens – so scheint es mir zumindest – hat bei Shopping Queen keine Kandidatin.
Ums Gewinnen geht es den meisten aber eh schon lange nicht mehr. Bei diesem Format trifft der Spruch „Dabei sein ist alles“ zu 100% zu. Viel mehr als über das Preisgeld (immerhin 1000€), das die Gewinnerin bekommt,  freuen sich die Teilnehmerinnen über das Finale, bei dem sie endlich ihren Guido persönlich treffen. Eine Umarmung und ein paar liebe Worte gibt’s vom heimlichen Star der Sendung dann auch noch. Spätestens dann ist es wirklich total egal, wer die Siegerin der Woche ist.
So vielseitig Shopping Queen auch ist. Eine Sache fehlt gänzlich und wird auch fast gar nicht berücksichtigt. Das männliche Geschlecht geht bei Shopping Queen vollkommen unter. Die größte Rolle, die Männer in dieser Produktion ergattern können, ist die der Shopping-Begleitung. Und das ist auch gar nicht so selten, dass eine Kandidatin ihren Freund mitnimmt. Viel mehr als Einkaufstüten tragen, machen die Herren der Schöpfung dann oft aber auch nicht. Die Spezialisierung auf ein Geschlecht, liegt vielleicht in der Natur der Sache, dass Shoppen einfach schon immer als „Frauensache“ kommuniziert wird. Dennoch wären männliche Kandidaten nach 7 Jahren der Sendung durchaus angebracht.  Abgesehen davon macht Shopping Queen aber einiges richtig und ist eine der wenigen Sendung, die verschiedenste Frauen miteinander vereint und einfach Spaß macht. Die Zeiten, in der ich Woche für Woche gespannt vor dem Fernseher saß sind zwar vorbei. (Ja Mama! Auch ich habe jetzt nachmittags etwas zu tun!). Trotzdem freue ich mich nach wie vor wenn ich mal wieder Guido Maria Kretschmers witzigen Kommentaren zuhören kann. Und kleiner Tipp am Rande, für alle, denen es so geht wie mir. Am Samstag laufen bei Vox ab 12 Uhr fünf Folgen hintereinander.

Donnerstag, 27. Februar 2020

Woidboyz on the road“ – Per Anhalter durch Bayern.

„Servus, mir sans de Woidboyz. Da Basti, da Uli und i, da Andi“.
Den Satz, den man so oder so ähnlich immer an Anfang einer neuen Folge der „Woidboyz on the road“ hört. Ein Format, welches seit 2006 auf dem Bayerischen Rundfunk jeden Donnerstag von 23.45 Uhr bis 00.15 Uhr ausgestrahlt wird. Seit 2014 mit der aktuellen Moderation von Basti Kellermeier, Uli Nutz und Andi Weindl, alle drei zwischen 30 und 40 Jahren alt.
Ja, richtig gehört, ich schaue den Bayerischen Rundfunk. Wenn auch nicht oft, da sonst auf diesem Sender meistens eher Themen und Werte vermittelt werden, die ich nicht unbedingt vertrete: von dieser „gmiatlichen“, „zünftigen“ bayerischen Welt mit Bauernhof-Idylle und Schweinebraten in Sendungen wie „Unser Land“ oder „Landgasthäuser“, wo der Name bereits Programm ist. Doch jeden Donnerstag nach 23.00 Uhr verändert sich der Sender plötzlich in das hippe, coole Br Puls (wie er von den jungen Leuten wahrscheinlich gerne bezeichnet werden würde), und es laufen tatsächlich einige Formate, die mir durchaus zusagen.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

„Das ist jetzt zu kuschelig“. Aus Worten werden Schüsse (Hart aber fair, 2.7.2019)

von Herbert Schwaab
Die Ermordung von Walter Lübke durch einen Rechtsextremen ist Anlass für eine Hart aber Fair Sendung, die schon vorab heftig diskutiert wurde. Der Grund ist die Einladung des AfD Politikers Uwe Junge aus Rheinland Pfalz und die Ansicht, Politikern aus der AfD kein Forum geben zu dürfen. Die Sendung wurde auch nach ihrer Ausstrahlung heftig kritisiert: Arno Frank wirft Plassberg in Spiegel Online vor, mit Uwe Junge gekuschelt zu haben. Tatsächlich reicht es einem der anderen Gäste an einer Stelle: Das ist mir jetzt zu kuschelig. Und er stellt klar: Hass ist ihre Geschäftsgrundlage. Der Gast, der dies äußert, ist Mehmet Daimagüler, ein Anwalt, der Opfer bei dem NSU-Prozess vertreten hat. Er äußert nicht nur diese Sätze, sondern viele weitere, die das Publikum in dieser eher unaufgeregten Sendung dazu bringen, zu klatschen. Er weist darauf hin, wie gefährlich das Leben der Menschen geworden ist, die sich in diesem Land engagieren und beschwört die Gefahr herauf, dass sich bald niemand mehr aus Angst ehrenamtlich engagieren wird. „Dann kann unsere Demokratie einpacken:“ Das Publikum klatscht. Er beendet eine längere Auseinandersetzung mit der AfD und ihren vielen netten Äußerungen auf Twitter und Facebook: „Das ist nicht bürgerlich, das ist nicht konservativ. Das ist schäbig“. Das Publikum klatscht. Er weist am Ende der Sendung darauf hin, dass Polizisten nicht nur in ihrer Ausbildung politische Bildung bekommen sollten: Eine demokratische Polizei kostet Geld, aber das sollte uns das wert sein. Das Publikum klatscht schon wieder.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Die Bachelorette - wer bekommt die letzte Rose?

von Chiara Bischoff
Eine Frau und zwanzig Männer. Hört sich verrückt an? Bei Der Bachelorette ist das tatsächlich der Fall. Denn bei diesem Format werben zwanzig Singlemänner gleichzeitig um das Herz der Dame. Und RTL lässt sich hierbei natürlich nicht lumpen und sucht für die Rolle der Bachelorette immer besonders attraktive Junggesellinnen aus.
Die Sendung lehnt sich an das amerikanische Format The Bachelorette bei ABC an, das dort 2003 erstmals in Produktion ging. In Deutschland gibt es mittlerweile sechs Staffeln. Abgedreht wird Die Bachelorette meistens schon in den Wintermonaten, ausgestrahlt jedoch erst im Sommer darauf.

Veränderungen bei ‚Die Höhle der Löwen‘ - beißt der Neue zu?

von Sophia Gräfenhahn
Im September beginnt für viele Menschen wieder die Zeit, in der man, in eine Decke gehüllt, viele Stunden vor dem Fernseher verbringt, während sich draußen ein nass-klater Schleier um die Häuser legt. Dies ist auch die Zeit in der auf VOX die nun schon bekannte Sendung „Die Höhle der Löwen“ mit einer neuen Staffel startet. So auch 2019. Und damit für die Zuschauer nicht nur die Produkte neu sind, hat der Sender einige Änderungen am Format vorgenommen. Ich starte mit der dritten Folge, da ich die ersten beiden bereits verpasst und als Nicht-Premium-Mitglied keinen Zugriff mehr darauf auf dem Webstream bei TV NOW habe. Aber schon zu Beginn der dritten Folge wird man mit einem äußerst amüsanten neuen Intro begrüßt. In diesem werden zuerst die sogenannten Löwen - Neue sowie Altbekannte - vorgestellt. Gleich danach spielt der Sender die Highlights der heutigen Folge spannungserzeugend ein, sodass auch jeder das Bedürfnis bekommt, sich wenigstens das erste Produkt anzusehen und eventuell dabei zu bleiben. Die bereits bekannte Stimme aus dem Off und dramatische Musik untermauern diesen Effekt. Bis auf den neuen Löwen war hier noch nicht viel neues zu sehen. Doch dann werden die Beobachter überrascht: Die Großaufnahmen der Gesichter der Reichen und Schönen werden abwechselnd mit echten, tiefblickenden und brüllenden Löwenköpfen porträtiert. Dabei sind die Ausdrücke der menschlichen Raubtiere ernst und sicher, bis „der Neue“, Nils Glagau, den Brüller des Löwen fortsetzt. Teure Uhren und edle Sessel stehen für den Reichtum der Investoren. Und da ist Dagmar Wöhrl noch einmal und huch jetzt hat auch noch Judith Williams mit den Zähnen gefletscht. Ich kann mich vor Lachen kaum noch halten. Das vorherige Intro war meiner Meinung nach schon – im wahrsten Sinne des Wortes - nicht der Brüller, jedoch übertrifft das Neue alles. Der Manager von Judith Williams hätte da ruhig nochmal drüber schauen sollen.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Ugly Delicious: etwas Biss, aber nicht zu viel Schärfe

von Florian Wittl
Eine Diskussion an einem Restauranttisch mit Experten wie Nina Compton. Das Thema? Gebratenes Hähnchen. Die Show? Dreht sich ganz um das Thema Essen, seine Kultur und die Leute, die es zubereiten. Aber worüber geredet wird ist nicht nur die beste Weise, ein gebratenes Hähnchen zubereiten, sondern auch wie dieses Gericht in den USA unzertrennbar mit systematischem Rassismus verbunden ist.

„Das perfekte Dinner“ – oder: wie Fernsehen manipuliert

von Antonia Pröls
Vox war für mich nie das Fernsehen, das ich abends freiwillig eingeschaltet hätte – bei „Shopping Queen“ und „Vier Hochzeiten, eine Traumreise“ klingen ja schon alle Vorurteile, die man gegenüber dem zur RTL-Group gehörenden Privatsender haben könnte, mit. Obendrein noch alle fünf Minuten Werbeunterbrechung – nein danke, ich verzichte. Daher ist es umso verwunderlicher, dass ich letztes Jahr um diese Zeit scheinbar aus Versehen „Das perfekte Dinner“-Fan wurde. Doch wie kam es dazu?

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Von T*tten bis Tränen alles dabei (Get the F*ck Out of My House)

von Sophia Gräfenhahn
„Get the F*ck out of my House“ Staffel aus dem Jahr 2019, ProSieben
Provokationen, Emotionen und viel nackte Haut. Das sind die Mittel, mit denen ProSieben, in seiner Sendung „Get the F*ck out of my House“, die Zuschauer für sich gewinnen will. Es benötigt nicht einmal neun Sekunden - der ersten Folge, der zweiten Staffel -, schon blickt den Zuschauer die erste nackte Frau aus der Dusche heraus an. Die nicht vorhandene Privatsphäre, der anfänglich 100 Hausbewohner, wird für den vergesslichen Konsumenten immer wieder von dem reizenden Moderatorenpaar untermauert. Doch damit nicht genug. Ständig erinnern Thore Schölermann und Jana Julie Kilka wie wenig Platz, Frischluft und Essen die Kandidaten doch haben.

Herzblatt mit mehr (Ge)Würze (Liebe geht durch den Magen)

von Alisa Maintok
Single, zwischen 25 und 30 Jahre, Lust ins Fernsehen zu kommen, Spaß am Kochen und auf jeden Fall bayrisch, auch der Dialekt. Dies waren die Anforderungen, die an mich und das Team gestellt wurden, als ich letztes Jahr bei einer Fernsehproduktionsfirma arbeitete. Da diese ihren Sitz in München hat und in dieser Stadt überhaupt keine Person bayrisch spricht, besuchten wir andere Städte und Dörfer. Ob Trachtenbälle, Schlagerpartys oder Messen, bei denen das Thema Essen behandelt wurde, wir hielten Ausschau nach Singles. Aber wozu das Ganze? Gecastet haben wir für „Liebe geht durch den Magen“, eine Dating Show, die wöchentlich montags von 20:15 bis 21:00 Uhr auf dem Bayrischen Rundfunk zu sehen ist. Wenn man eine Folge verpasst, so ist diese auch in der Mediathek des BRs zu finden.

Tägliches Abendprogramm – Jawollo! (Love Island)

von Chiara Bischoff
9. September, 20:14 Uhr, ich sitze voller Vorfreude vor dem Fernseher und warte darauf, dass es 20:15 Uhr schaltet. Es läuft RTL2, ich zähle die letzten Sekunden herunter, dann heißt es endlich: Willkommen auf Love Island! Auf diesen Moment habe ich schon seit ein paar Wochen hin gefiebert, denn heute ist es soweit, die dritte Staffel von Love Island startet. Was mich erwarten wird? Aufgrund der letzten beiden Staffeln, natürlich alle fleißig von mir mitverfolgt, schließe ich daraus, dass es wieder viel Spaß, Action, Eifersucht, Streitigkeiten und ganz vielleicht auch etwas Liebe geben wird. Nur ganz vielleicht etwas Liebe? Ja ganz richtig gelesen, denn auch wenn es in dieser Sendung darum geht, seine „große Liebe“ zu finden, ist es dennoch nicht immer klar, ob es sich bei den Kandidaten nun um echte Gefühle handelt oder alles nur Show ist, um im Format zu bleiben.

Die Küchenschlacht vom 05.07.2019 – Ich trinke Ouzo, was trinkst du so?

von Bianca Hampl
Montag bis Freitag 14:15 Uhr bis 15:00 Uhr: Zeit für die Küchenschlacht! Das Wochenfinale der ZDF Produktion Die Küchenschlacht stand unter dem Motto „Griechenland“, in Anlehnung an den unvergesslichen Sommerurlaub von Mario Kotaska, dem in dieser Woche die Leitung der Sendung anvertraut wurde. Der Profikoch präsentierte, in Erinnerungen schwelgend, das Finalgericht, welches er in jenem viel erwähnten Sommerurlaub selbst kreiert hat: Garnelen im Kräutermantel auf griechische Art mit Tomatencreme, knusprigem Feta und Gurken-Joghurt. Und ja, natürlich läuft bei der Präsentation im Hintergrund stilecht griechische Sirtaki Musik.

Dienstag, 1. Oktober 2019

Heute-Show

von Mohamed Afifi
Freitagabend daheim, die Lieblingsnetflix-Serie schon zum dritten Mal fertig geschaut und man tastet sich widerwillig und Schritt für Schritt durch der schier endlosen Programmauswahl auf der Suche nach der Rettung des Abends. Beim ZDF stehen geblieben, läuft eine Sendung, die große Ähnlichkeiten mit der Daily Show von Jon Stewart besitzt: die Heute-Show mit Oliver Welke als Moderator der Sendung, die jede Woche um 22:30 ihre Erstausstrahlung hat. Eingeleitet mit Blasmusik und dem Klatschen des Publikums, begrüßt Welke die Zuschauer der Satire-Nachrichtensendung mit Schwerpunkt auf politische Themen. Mit der Betonung, die Sendung sei heute ,,100% Brexit Frei“ und England solle sich erst wieder melden, ,,wenn sie ihre Insel fertig versenkt haben“, beginnt die TV-Show, in der der ein oder anderen Politiker genaustens unter die Lupe genommen wird, um ihn letztlich zu veräppeln.

Montag, 30. September 2019

„Ich bin gebürtiger Italiener und geboren bin ich in Deutschland“ oder übers Leben und Lieben auf Love Island

von Sophie Reuel
„Hey, hast du Montag Abend Zeit?“
„Ne du leider nicht, da geht doch Love Island wieder los, ich schau das mit paar Leuten aus der Uni“
Dieser Whatsapp Nachrichtenwechsel ereignete sich tatsächlich so. Letzten Sonntag. Meine beste Freundin die mittlerweile in Erfurt Staatswissenschaften studiert und eigentlich wie ich, die Woche über zuhause in München war, teilte mir also mit dass sie extra nach Erfurt gefahren ist. Für gemeinsames Fernsehsen. Das ist erst mal nichts neues. Seit Jahren erfreut sich das sogenannte Public Viewing immer größerer Beliebtheit. Anfangs noch zu sportlichen Großereignissen wie die Fußball WM oder EM, hat sich das Phänomen mittlerweile auch auf kleinere Sportevents ausgebreitet.

Donnerstag, 26. September 2019

Die Bachelorette: Kuppelshow als Karrieresprungbrett?

von Chiara Ecker
Eine blonde Frau tanzt und räkelt sich zur Musik am Boden, mit einer Handbewegung lässt sie Männer durch die Gegend fliegen und zwischendrin wird immer wieder die Nahaufnahme einer Rose gezeigt. Was einige mit einer Werbung für ein günstiges Eau de Toilette verwechseln könnten, ist in Wirklichkeit das Intro zur neuen Staffel von Die Bachelorette. Zum sechsten Mal sind 20 Singlemänner und eine Frau, dieses Jahr auf Athen, auf der Suche nach mehr Followern...Entschuldigung Tippfehler...natürlich auf der Suche nach der großen Liebe! Gerda Lewis, die diesjährige Bachelorette, kommt aus Köln, ist 26 Jahre alt und von Beruf Influencerin.

Bauer sucht Frau International (RTL, 24.6.2019)

von Herbert Schwaab
Genres und Formate entstehen, entwickeln, verändern und erschöpfen sich. Bauer sucht Frau gibt es in Deutschland seit 2005. 14 Jahre später versucht das Format sich dadurch zu erneuern, international zu expandieren und vier einsame Bauern aus vier Ländern – Chile, Costa Rica, Kanada und Südafrika – zu präsentieren. Bauer sucht Frau ist ein Format, das laut Wikipedia dem Präsidenten des Bauerverbandes und dem Vorsitzenden des Dachverbandes der deutschen Milchviehhalter nicht wirklich gefällt. Die Teilzeitfernsehkritiker haben messerscharf erkannt, dass die Sendung Bauern vorführt, lächerlich macht und ein Klischee vom bäuerlichen Leben zeichnet. Wir können sie aber beruhigen: Reality TV Formate machen das halt. Wir könnten uns genauso darüber beschweren, dass Wasser nass ist. Deswegen beschäftigen wir uns besser mit dem, was solche Formate unterhaltsam macht und die Zuschauenden dazu bringt, sich Bauern und Frauen, die Bauern heiraten wollen, anschauen zu wollen. Vor allem interessiert aber, welche Veränderungen die internationale Expansion verursacht.