TV Kultur und Kritik
ist im Rahmen einer Übung im Fach Medienwissenschaft an der Universität Regensburg entstanden. Der Blog versammelt Kritiken zu den unterschiedlichsten Facetten der Fernsehkultur, die von arte (Breaking Bad) bis RTLII (Die Geissens) reicht. Ziel ist es eine Kritik zu etablieren, die dem Wesen, der Rezeption und der Faszination für das Format gerecht wird. Wir sind offen für Beiträge, die die Auseinandersetzung mit dem Fernsehen erweitern.

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Montag, 31. August 2020

"When They See Us" geht unter die Haut: die Geschichte der "Central Park Five"

von Lea Kienle
Die Netflix Serie When They See Us von Ava DuVernay aus dem Jahr 2019 basiert auf der wahren Begebenheit der "Central Park Five". In insgesamt 4 Folgen wird die Geschichte der fünf Jugendlichen, die im Jahr 1989 in New York fälschlich der Vergewaltigung verurteilt wurden, gezeigt. Die damals betitelten "Central Park Five" bestanden aus vier afro-amerikanischen Jungen und einem Jungen mit einem "hispanic" Hintergrund im Alter von 14 bis 16 Jahren, die zu der Zeit in einem der bekanntesten Prozesse in Amerika verwickelt waren.
Der Gerichtsprozess, der trotz fehlender Beweise und unschlüssigen Erklärungen vollzogen wurde, sorgte für Aufruhr in der Gesellschaft und spaltete die Meinungen in Unterstützung des Gerichtsbescheids auf der einen Seite, und starker Kritik und Skepsis auf der anderen. Zudem wurde eine Rassismus-Debatte angefeuert, die der Justiz in den USA ungerechte Gerichtsurteile aufgrund rassistischer Haltungen vorwarf.

Donnerstag, 27. August 2020

The Game Changers – Eine sehr parteiische Doku

von Luis Heislbetz
„Jemand hat mich gefragt: Wie wurdest du so stark wie ein Ochse ohne Fleisch zu essen? Meine Antwort war: Hast du jemals einen Ochsen gesehen, der Fleisch gegessen hat?“ Dieser Satz stammt von Kraftsportler Patrik Baboumian aus dem Trailer der Dokumentation „The Game Changers“ und gibt gleich einen Einblick in das Thema des Films: Vegane Ernährung.
Die Dokumentation „The Game Changers“ beschäftigt sich mit Athleten, die den Schritt zur veganen beziehungsweise pflanzen-basierten Ernährung gemacht haben. Am 16. September 2019 erschien der Dokumentationsfilm bei dem unter anderem der bekannte Regisseur James Cameron, Arnold Schwarzenegger und Jackie Chan an der Produktion arbeiteten.

Dienstag, 5. Mai 2020

Corona King. Fünf Gründe, den Netflix Dokuserien-Blockbuster Tiger King nicht zu schauen

von Herbert Schwaab 

Diese Krise kennt viele Verlierer und nur zwei Gewinner: Netflix und Amazon, diese Hofliferanten einer Welt der Eingeschlossenen und überforderten Familien. Genau in dieser Zeit fällt die Veröffentlichung der Netflix Dokuserie Tiger King: Murder, Mayhem and Madness, und der Virus wird oft als Grund genannt, warum dieses Serie zu einem so großen Erfolg wurde, mit etwa 37 Millionen Zuschauer*innen weltweit. Es gibt einen Hype um Tiger King, von dem ich nach kurzer Zeit, aber nicht als erster auch erfasst wurde. Der Grund dafür ist einfach. Die Doku-Serie von Eric Goode und Rebecca Chaiklin, die über einige Jahre das Leben von Joe Exotic und seinem kommerziellen Raubtierzoo in Oklahoma dokumentieren, bietet einiges: die bizarre Welt der Privatzoos und der Fans und Besitzer*innen von exotischen Tieren und Raubtieren; Einblicke in die unglaublichen Abgründe der ländlichen, abgehängten Redneck-USA, vor allem Einblicke in die zahnlosen Meth-Gesichter der Mitarbeiter von Joe Exotic; Dokumentationen von Rassismus und Sexismus, Waffenwahn, der einem der zwei Ehemänner von Joe Exotic auch das Leben kostet; immer wieder Dokumentationen der eigenartigen Beziehung von Mensch und Tigern und Löwen, mit denen hemmungslos gekuschelt wird, die Menschen auf Autofahrten auf dem Beifahrersitz begleiten, als kleine kuschelige Pelztiere in Hotelzimmer in Las Vegas geschmuggelt werden und als Hauptattraktion bei den Tierschauen in den privaten Zoos eingesetzt werden; sie zeigt uns aber auch ein brutales Geschäft von Menschen, die weitaus gefährlicher sind, als Raubtieren je sein könnten, die skrupellos eine hemmungslose Aufzucht von kleinen Tigerbabys betreiben und die die nicht mehr verwertbaren, ausgewachsenen Tiger nach 6 Monaten töten, wenn sie die Kapazitäten dieser chaotisch geführten Zoos überfordern; wir lernen arrogante Raubtierbesitzer wie Doc Antle kennen, der als geborener Showman nicht nur einigermaßen erfolgreich und geschickt einen Privatzoo, sondern auch eine sektenartige Kommune ergebener Frauen anführt. Aber bei allem ist und bleibt die Hauptattraktion Joe Exotic, der zwar offen schwul mit zwei Ehemännern lebt, der aber dennoch durch und durch sexistisch, rassistisch, korrupt, sadistisch und von sich selbst besessen ist. Deswegen strebt er eine Karriere als Countrysänger (von nicht selbst gesungenen Songs) an, lässt sich auf eine kostspielige Kampagne zu einer Gouverneurswahl ein und führt eine verhängnisvolle Fehde mit der Tierschützerin Carole Baskin, die aber selbst sehr erfolgreich einen eigenen Privatzoo führt, der zum Schutz von Großkatzen gegründet worden sein soll. 

Mittwoch, 25. September 2019

Einmal zum Mond und wieder zurück – Leschs Kosmos

von Josefine Montgelas
Als Kind habe ich gerne ab und zu Alpha Centauri geschaut; Ich fand es faszinierend in fremde Welten einzutauchen, von Schwarzen Löchern, Weißen Riesen und Magnetaren zu hören. Dann war lange Pause und ich habe erst vor einiger Zeit wieder von dem Moderator der da-maligen Sendung, Harald Lesch gehört. Er macht jetzt ganz viele verschiedene Sendungen für BR alpha und ZDF, die Namen tragen wie Lesch&Co., Alpha bis Omega, Lesch Zug oder Frag den Lesch. Man könnte leicht den Eindruck bekommen, die gesamte Sparte der Wissenschaftssendungen im Fernsehen würde nur noch von ihm moderiert. Für seine vielseitige Betätigung hat er auch massenhaft Preise erhalten, so zum Beispiel vom Hochbegabten-Verein Mensa. Das alles ist ja schön und gut, aber unter uns gesagt: Mich hat es irgendwann einfach genervt. Brauchen wir denn wirklich einen Märchenonkel, der uns die Welt erklärt, eine Sendung mit der Maus für Erwachsene? Noch dazu ist er ja Professor für Astrophysik und damit meiner Meinung nach nicht für das Luther-Jubiläum oder die Slow-Food-Bewegung zuständig. Für viele Menschen aber eben schon, denn er ist das Gesicht, die Stimme, die ihnen alle wissenschaftlichen Themen auf einfachem Niveau vermittelt.

Donnerstag, 22. August 2019

Die Ich-Ich-Ich-Reporter: Rabiat – Arsch hoch, Deutschland! (ARD, 13.5.2019)

von Herbert Schwaab
Bilder einer nächtlichen Stadt. Die Reporterin Anne Thiele folgt einer jungen Mutter, Kerstin, die am Silvestermorgen Flaschen sammeln geht. Die pulsierenden, wackligen Bilder werden mit vielen Schritten aneinandergereiht, nicht zufällig, sondern kunstvoll und schick und passend für Fernsehen und Smartphone komponiert. Die Reporterin unterrichtet uns darüber, was sie gerade macht, kommentiert dabei, dass so früh kein Kameramann zu bekommen war, der arbeiten wollte, weswegen sie mit dem Handy filmt. Komisch nur, dass auch Bilder zu sehen sind, die nicht von ihr stammen, sondern sie und die junge Mutter etwas entfernt von hinten zeigen. Sie kommentiert, dass die junge Frau mit dem Flaschensammeln ihre Einkünfte aus ihrer Arbeit und Hartz4 aufstockt, um für ihre 2 Kinder und 5 Tiere zu sorgen. Sie sagt das mit einer ruhigen, unaufgeregten, aber hochgradig emphatischen Stimme. Dann zeigt sie Bilder aus ihrem eigenen Arbeitsalltag, aus dem Büro, von Zuhause im Homeoffice mit einer Tasse Kaffee in der Hand und im Schnittraum, um zu zeigen, dass auch sie arbeitet. Sie hält sogar intime, auf dem Handy gespeicherte Fotos von ihrem ersten Job als Babysitter in die Kamera, um ihr Arbeitsleben umfassend zu dokumentieren, aber auch, um sich für uns fast völlig zu entblößen und deutlich zu machen, dass sie alles gibt. Es gehe ihr darum, wie sie in die mittlerweile ganz nah gerückte Kamera spricht, zu erkunden, ob sie sich die Sicherheit, die sie mit ihrer Arbeit und ihrem Elternhaus erworben hat, tatsächlich verdient hat und ob Fleiß allein ausreicht, so ein sicheres Leben zu führen. Die Antwort auf diese Frage wird sie in die Welt der Hartz4 Empfänger führen.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Netflix Dokumentation „Unser Planet“ Ein schmaler Grad zwischen faszinierender Schönheit und gnadenloser Grausamkeit


von Melena Nendel 
 
Du hast genug von unnötig aufgebauschten Dramen, ausgelutschten Lovestories und Action-Thrillern a la Liam Neeson?! Dann ist die am 5.4 erschienene Doku-Reihe „Unser Planet“ v, die vom mittlerweile 92-Jährigen Tierfilmer David Attenborough in Zusammenarbeit mit dem World Wildlife Fund produziert wurde, vielleicht etwa für dich. Über 4 Jahre drehten zahlreiche Teams in 50 Ländern und lieferten mittels neuester Technik, atemberaubende Einblicke in die verschiedensten Naturereignisse. Wenn du dir jetzt denkst „Unser Planet“ – das gab’s doch schonmal, dann liegst du nicht ganz falsch. Denn man könnte sagen, die neue Netflix-Naturdoku ist nur ein Abklatsch der bekannten BBC Dokumentationen namens „Planet Earth“ und Co., aber der wichtige Unterschied zu den „Unser Planet“ - Vorgängern ist, dass hier die Zerstörung der Erde durch den Menschen im Vordergrund steht und wie man handeln kann, um unsere Umwelt zu retten. Am Ende jeder Folge wird der Zuschauer aufgefordert die Website „ourplanet.com“ zu besuchen, um selbst aktiv werden zu können. Die  Produzenten hätten sich wohl keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um die Dokumentation auszustrahlen. Denn es scheint, als würde die Umwelt endlich immer mehr an Wichtigkeit gewinnen, vor allem auch in den jüngeren Generationen, wie man an den „Friday‘s For Future“ , sowie den kürzlichen EU-Wahlen, ganz gut sehen kann. 

Dienstag, 21. November 2017

Auf Streife - Blaulichtwahn am Abgrund?

von Katharina Sodtke

Die Sirenen heulen, ein Polizeiauto bremst abrupt mitten auf der Straße ab, bei laufendem Motor springen zwei Polizisten aus ihrem Wagen und verfolgen einen verdächtigen Mann. Die Rede ist hierbei nicht von einem zweitklassischen, klischeebehafteten Actionfilm, sondern von der Polizei Scripted-Reality Serie Auf Streife

Vermisst: Wer sucht, der lässt finden

von Leonie Schnith

„Sandra wen suchst du?“ „Ich suche meine Mutter Josephina, die in Tahiti lebt“ „Sandra kannst du sagen, wann du deine Mama das letzte mal gesehen hast?“ „Wirklich bewusst habe ich sie noch nie gesehen, da ich mit 4 Monaten nach Deutschland zu meinen Großeltern gekommen bin und seitdem keinen Kontakt mehr mit ihr hatte.“ So oder so ähnlich klingt meist das erste Gespräch zwischen der Moderatorin Julia Leischik und ihrem Gegenüber in der Real-Life-Doku-Serie Vermisst auf RTL. In diesem seit 2007 ausgestrahlten TV-Format, geht es, wie der Name schon verrät, um Personen, die vermisst werden. Julia Leischik wird in einer Folge von jeweils zwei unterschiedlichen Personen gerufen, die nach Schicksalsschlägen einen geliebten Menschen verloren bzw. nie kennengelernt haben und diesen nach ewigen Jahren des Vermissens wiederfinden wollen.

Goodbye Deutschland! - Auf (Nimmer) Wiedersehen?!

von Jule Schmieder

Daniela Katzenberger und Familie Reimann – zwei Beispiele, die ihre „Prominenz“ einer Doku-Soap des Senders VOX zu verdanken haben. Goodbye Deutschland! Die Auswanderer begleitet seit 2006 Menschen, die ihr Leben in Deutschland satt haben und einen Neuanfang in der Fremde wagen. Ob alleine oder mit der Familie zieht es die Reiselustigen in die weite Welt, beziehungsweise geschätzte 90% aller Auswanderer nach Mallorca. Natürlich, das beliebteste Reiseziel der Deutschen ist schließlich am besten für einen Neustart geeignet, wenn, wie in den meisten Fällen, Englischkenntnisse eher sporadisch vorhanden sind. Ähnlich steht es meist auch um finanzielle Rücklagen, gründliche Vorbereitungen, sowie Job-Erfahrungen in der zukünftigen Branche. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Auswanderung - Abenteuer, Drama und Tränen sind vorprogrammiert. Zumindest für eine Doku-Soap klingt dies nach einem echten Erfolgsrezept.

Dienstag, 12. September 2017

Köln 50667 - Wat is' dat denn?

Von Stefanie Lederer 

Köln 50667 – erstmal nur die schlichte Aneinanderreihung einer deutschen Großstadt und deren Postleitzahl – mehr kann man aus dem Titel der vermeintlich berühmtesten Serie von RTL2 nicht entnehmen. Doch wer sich normalerweise nicht auf diesem Sender aufhält, könnte mit seinen Erwartungen durch den Titel leicht in die Irre geführt werden. Klingt es vielleicht im ersten Moment nach einer Dokumentation über die rheinische Karnevalshochburg oder verspricht man Einblicke in landestypische Panoramen und Sehenswürdigkeiten, oder könnte eventuell diese Sendung auch kulturell informieren? Nein, definitiv nicht. Und diejenigen, die treue Zuschauer dieser Sendung sind und somit wissen, wovon wirklich die Rede ist, werden nach dem vorherigen Satz eventuell geschmunzelt haben. Denn Kenner wissen, dass dieses Formats herzlich wenig mit einer lehrhaften Message zu tun hat oder geschweige denn kulturelle Intentionen beabsichtigt. 

Es war einmal...Ein großer Bruder und seine Z-Promis (Promi Big Brother)

von Johanna Lackermeier  

Am 9. April 2017 war es wieder so weit: Die 5. Staffel der Reality-Show Promi Big Brother - von den einen mehr, von den anderen weniger sehnsüchtig erwartet - wurde von Sat. 1 ausgestrahlt. Das Grundkonzept der ca. zweiwöchigen täglich gesendeten Show ist dabei einfach zu erklären: Man nehme die Sendung Big Brother (im deutschen Format erstmals 2000 ausgestrahlt) und ersetze die Protagonisten durch C- bis Z-Prominente wie Mallorcaschlagersängern, Bachelorkandidatinnen, Mister Germanys, schwule Selfmade-Millionäre, Nacktkünstlerinnen, verblasste Schauspielgrößen aus den 80er Jahren, Ex-Luxusludern, ehemaligen Germanysnexttopmodelkandidatinnen und so weiter. Diese sperre man für eine gewisse Dauer in ein mit Kameras überwachtes und als Wohnumgebung gestaltetes Studio. Eine tiefe Männerstimme aus dem Off hinzugefügt, die den Tagesablauf der Bewohner bestimmt, und abgeschmeckt mit spannenden Kämpfen der Kandidaten in einer Duell-Arena für die gewünschte Würze – fertig ist eine bunte Suppe bestehend aus Zickereien, neuen Freundschaften, Nacktbildern, enthüllenden Geständnissen und Konkurrenzkampf um den Sieg der Show. 

Donnerstag, 7. September 2017

Ja, ich will… die Traumreise!

Von Charlotte Stoll 

Bald-Bräute aufgepasst! „Wenn auch Sie einmal Ihre Flitterwochen in einer solch schicken Limousine antreten möchten, dann nutzen Sie Ihre Chance und bewerben sich bei 4 Hochzeiten und eine Traumreise! Und zwar jetzt auf vox.de.“ ertönt die Stimme des Hochzeitsplaners und „Hochzeitsexperten“ Frank „Froonck“ Mathée in den Werbepausen der auf VOX ausgestrahlten Hochzeits-Doku 4 Hochzeiten und eine Traumreise. Die Regeln des Formats sind leicht verständlich und erinnern stark an andere Produktionen des Senders, wie Shopping-Queen oder Das perfekte Dinner: Von Montag bis Donnerstag findet jeweils die Hochzeit eines Brautpaares statt, bei der die anderen Bräute zu Gast sind und die Hochzeit in den fünf Kategorien Brautkleid, Location, Essen, Stimmung und Gesamteindruck mit den Punkten 1-10 bewerten. Die Feierlichkeiten und Geschehnisse werden von „Froonck“ kommentiert und das Brautpaar, das am Ende der Woche die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt „eine paradiesische Hochzeits-Traumreise und 1000€ Taschengeld“ – nicht sonderlich kreativ, aber da das Format bereits seit 2012 über die deutschen Bildschirme flimmert, scheint es zu funktionieren.

Mittwoch, 6. September 2017

Mein Kind, dein Kind – Wie erziehst du denn?

von Lea Schinzel 

Wie erziehe ich am besten mein Kind? Welche Freiheiten, aber auch welche Regeln sollten gegeben sein? Diese Fragen stellen sich wahrscheinlich die meisten Eltern. Die Doku-Soap Mein Kind- Dein Kind von dem TV- Sender Vox greift genau diese Thematik seit 2015 in über 160 Folgen in fünf Staffeln auf. Zwei Elternteile mit jeweils konträren Erziehungsstilen besuchen sich jeweils einen Tag und bewerten einander, während ein vom Sender sogenannter Querschnitt der Bevölkerung (also verschiedene Familienformen wie Pärchen, Großeltern und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften) das ganze Geschehen vom Sofa aus kommentiert.

Goodbye Deutschland! – Auf (Nimmer-)Wiedersehen?!

von Jule Schmieder

Daniela Katzenberger und Familie Reimann – zwei Beispiele, die ihre „Prominenz“ einer Doku-Soap des Senders VOX zu verdanken haben. Goodbye Deutschland! Die Auswanderer begleitet seit 2006 Menschen, die ihr Leben in Deutschland satt haben und einen Neuanfang in der Fremde wagen. Ob alleine oder mit der Familie zieht es die Reiselustigen in die weite Welt, beziehungsweise geschätzte 90% aller Auswanderer nach Mallorca. 


Montag, 4. September 2017

„Raus aus dem Zwang“ und die bittersüße Erkenntnis, Teil des Problems zu sein



von Felix Rieger

An der Wand eines Flures lehnt kaum sichtbar zwischen nur halb befüllten Müllsäcken ein Fahrrad, das wohl schon länger nicht mehr benutzt wurde. Eine tote Ratte liegt plattgedrückt auf dem Boden, eine zweite kriecht aus den Geschirrbergen hervor und verschwindet sofort wieder im Dickicht aus alten Verpackungen, Gerümpel und sonstigem Unrat. Heidi, so sagt sie zumindest, wollte einfach nicht mehr sauber machen. Es braucht keinen Abschluss in Psychologie, um die absolute Resignation der Leipzigerin zu spüren. Ihre Ehrlichkeit wirkt erschreckend entwaffnend auf mich, nervös kratze ich mich am Oberarm. Fast fehlt mir die Motivation, mich über sie lustig zu machen. Und das, obwohl ich mich schon innerlich darauf gefreut hatte, mich im Rahmen der nun folgenden zwei Stunden TV-Voyeurismus daran aufzugeilen, dass ich im Gegensatz zu Heidi sehr wohl in der Lage bin, meinen Haushalt zu schmeißen (oder wenigstens lasse ich ihn nicht komplett vor die Hunde gehen). Heidi hingegen hat leider das Pech, eine der Protagonisten eines weiteren Versuchs, mit der medialen Ausschlachtung von Einzelschicksalen Quote zu machen, zu sein.

Freitag, 1. September 2017

Janni und Peer...und ein Baby. Aus zwei mach drei - Wenn das Paradies in den Alltag zurückkehr

von Melanie Greif


Dass Nackt-Dating-Shows als neuer Quotenfänger im deutschen Fernsehen langsam im Kommen sind und so mit dem Tabu der Nacktheit jonglieren, wurde bereits in meiner letzten Kritik auf diesem Blog zu Naked Attraction – Dating Hautnah (RTLII) betrachtet. Weniger Hoffnung hegte ich jedoch hinsichtlich ihrer Ernsthaftigkeit und dass dadurch tatsächlich ein wahres Liebesglück zu Stande kommen könne. Dass jedoch genau dies der Fall sein kann, beweisen uns nun Janni Hönscheid (Profi Suferin. Model) und ihr Liebster Peer Kusmagk (Moderator, Dschungelkönig, Restaurantbetreiber,… – augenscheinlich ein wahres Allroundtalent in der Riege der Z-Promis), die einst auf der Liebesinsel im Paradies vor den Kameras der Produktion Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies zueinander fanden und seitdem auch bekleidet ein glückliches Paar abgeben.

Wie in den Vorgängersendungen über Sarah und Pietro Lombardi oder Jana Ina und Giovanni Zarella verkündet auch das Adam sucht Eva-Paar stolz: „Wir sind schwanger“ - und lassen daran ganz Deutschland jeden Montag ab 22:35 Uhr teilhaben.

Mittwoch, 23. August 2017

Die Bachelorette. Ein Resümee peinlicher Momente

von Marlen Schubert 


Im Mittelpunkt der aus dem US-amerikanischen Fernsehen bekannten Kuppelshow ‚Die Bachelorette’ steht Jessica Pazska, gelernte Bürokauffrau, die dem ein oder anderen Zuschauer oder auch Teilnehmer vielleicht bekannt vorkommen mag. Jessica hat 2014 bei dem männlichen Pendant ‚Der Bachelor’ selbst als Kandidatin teilgenommen. Seitdem ist sie eine Person des öffentlichen Lebens, wie es so schön heißt, wurde so beispielsweise von einem Kamerateam bei etlichen Schönheits-OPs (unter anderem bei einer Po-Vergrößerung) begleitet und nahm eine Single mit dem bekannten und renommierten Produzenten Menowin Fröhlich (aus DSDS bekannt) auf, die leider nicht zum Erfolg wurde.  Doch in der aller ersten Folge, der von RTL ausgestrahlten Sendung, erkennt nur einer der männlichen Kandidaten Jessica Pazska auf Anhieb. Dass es sich hierbei um den – Achtung Spoiler! – schlussendlichen Gewinner der Show David Friedrich handelt, sei da mal so hingestellt.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Germany’s Next Dramaqueen


von Stefanie Lederer

Schon seit mehr als 12 Staffeln versüßt Heidi Klum in unvergleichlich schriller Stimmlage den Zuschauern ihren Donnerstagabend um 20:15 Uhr mit ihrer Castingshow Germany’s Next Topmodel durch Phrasen wie „Und ihr wisst ja: Nur eine kann Germany‘s Next Topmodel werden“ oder „Es tut mir leid, ich habe heute leider kein Foto für dich“. Ihre Mission: jedes Jahr erneut die schönsten Mädchen Deutschlands zu finden und sie vom watschelnden Entlein zu einem grazilen Schwan in der Modeszene zu machen. Neben täglichen Zickereien, endlosen Heulmomenten und unzähligen Intrigen geht es für die Models darum, Woche für Woche neue Challenges, Castings und allem voran die verrücktesten Fotoshootings zu meistern – und alles natürlich zu Heidis Zufriedenheit. Gelingt das einem, erhält man von der Chefjurorin höchstpersönlich das Go für die nächste Runde. Neu ist, dass man die Möglichkeit hat im sogenannten „Shootout“ weiterzukommen, was im ersten Moment besser klingt als rauszufliegen. Doch auch in dieser Woche stehen zwei auserwählte Kontrahentinnen (diesmal Anh und Romina) im direkten Vergleich zueinander, worauf dann zum Schluss doch eine gehen muss.

Montag, 3. Juli 2017

RTL2 als Fenster zur Welt: Babystation, Teeniemütter und Armes Deutschland


von Herbert Schwaab 

Wenn in einem Dokuformat über sehr junge Eltern ein Paar Angelina und Joel (beide aus Schernbeck, er will den Hauptschulabschluss nachholen) heißt und dann zu einem anderem Paar (Jennifer und Jens aus Apolda, sie langsam, aber bestimmt, er ehr antriebslos, aber lieb) gewechselt wird, deren Kinder Joel und Justin Lukas heißen, scheint klar zu sein, in welcher Welt wir uns bewegen: der Welt von Doku-Soaps, die die untersuchten und dokumentierten Subjekte in den großen Randbezirken der Gesellschaft finden und für unseren faszinierten, aber leicht angeekelten Blick ausstellen. Das Format heißt Teeniemütter, das erstaunlich viele überjunge, überforderte Mütter und Väter findet und uns zeigt. Die schwangere Angelina ist 15, Jennifer ist 19 und hat bereits ihr zweites Kind bekommen. Das Format läuft bei RTL2 am Mittwochabend in der Babyschiene, es folgen ihm noch Die Babystation: Jeden Tag ein kleines Wunder und Wunschkinder. 

Angelina (15) & Joel (16) bei Teeniemütter  (https://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-wesel-hamminkeln-und-schermbeck/angelina-15-und-joel-16-aus-schermbeck-in-doku-soap-id12171246.html)

Mittwoch, 14. Juni 2017

Teenie Mütter – die Helden auf RTLII

Von Zhang Liyuan 

„Eigentlich nehme ich schon die Pille, aber wir haben halt was getrunken und da wirkt die Pille leider nicht.“ 
So die Worte einer 19-Jährigen, die jetzt zum 2. Mal ungewollt schwanger wurde. Es wäre wohl besser gewesen, sich nach dem 1. Unfall mal über Verhütung zu informieren. Aber halb so wild, dadurch ist Jennifer jetzt auf RTLII gelandet, wer will das nicht? RTLII ist mittlerweile bereits bekannt dafür, geschmacklose Sendungen wie Naked Attraction oder Sarah und Pietro – die ganze Wahrheit ein Publikum zu geben. Alle Sendungen passen hervorragend zusammen. Wer das Drama um Alessio, das Lombardi Kind (für die wenigen unter euch, die ihn noch nicht kennen), vermisst, kann sich bei einer Folge Teenie Mütter – wenn Kinder Kinder kriegen mit neuem Drama rund um die Familie erfreuen. Teenie Mütter ist eine Doku-Soap, die jeden Mittwoch zur Prime-Time auf RTLII ausgestrahlt wird. In dieser Sendung werden schwangere Jugendliche von der Kamera begleitet und es wird alles gezeigt, was irgendwo interessant erscheint: sei es die vorzeitige Geburt des Babys oder die pure Angst vor dem ersten Flug in die Türkei. In der Folge am 07.06.2017 geht es dieses Mal um Silvana und Verena. Verena ist eine 18-Jährige, die ihre Ausbildung abbrach und nun ungewollt schwanger wurde. Der Vater ihres Kindes, Mike, ist auch gleichzeitig ihr erster Freund. Jedoch wird Mike bereits zum 2. Mal (ungewollt) Vater. Sein erstes Kind lebt bei seiner Ex-Freundin, dieses Mal will er alles richtig machen (sich nach dem 1. Unfall endlich mal mit dem Thema Verhütung auseinanderzusetzen, war ihm wohl zu viel Aufwand). Beinahe völlig emotionslos erzählt er von seinem tragischen Schicksal, wie sein Vater drogenabhängig wurde, er früh mit ADHS diagnostiziert wurde und wie seine Medikamente ihn nur aggressiv machten, sodass er seine Betreuer schlug. Meines Erachtens klingt das nach einem völlig normalen Lebenslauf für einen Kandidaten auf RTLII.