TV Kultur und Kritik
ist im Rahmen einer Übung im Fach Medienwissenschaft an der Universität Regensburg entstanden. Der Blog versammelt Kritiken zu den unterschiedlichsten Facetten der Fernsehkultur, die von arte (Breaking Bad) bis RTLII (Die Geissens) reicht. Ziel ist es eine Kritik zu etablieren, die dem Wesen, der Rezeption und der Faszination für das Format gerecht wird. Wir sind offen für Beiträge, die die Auseinandersetzung mit dem Fernsehen erweitern.

Freitag, 3. Juli 2020

Beauty and The Nerd – Fremdschämen pur

von Matthias Fehlner
Als ich letztens, an einem Donnerstagabend zur Prime-Time durch das Fernsehprogramm gezappt habe, blieb ich auf ProSieben bei einer etwas anderen Show hängen. Der vielversprechende Titel lautet: „Beauty and The Nerd“. Leider habe ich die erste Folge verpasst und es lief schon die Zweite der mittlerweile zweiten Staffel (eine Erste wurde 2013 ausgestrahlt, wie ich später erfahren konnte. Allerdings schien sich die Show nicht durchzusetzen und so wagte man in dem Jahr, in dem eh schon alles egal ist und es kaum mehr schlimmer kommen kann, einen zweiten Versuch). Also - neugierig und unvorbereitet wie ich war - habe ich mich dieser etwas ungewöhnlich wirkenden Dating-Reality-Show gewidmet. Die Idee basiert scheinbar auf der schon 2005 produzierten amerikanischen Reality-Show „Beauty and the Geek“.

„13 Reasons Why“- oder doch mehrere?

von Linda Sharon Lioi
„Warum hast du das nicht gesagt, als ich noch lebte?“ diese Aussage von Hannah Baker, der Hauptdarstellerin beschreibt eine zentrale Thematik der Serie sehr gut. Das Unausgesprochene, das zu Problemen, Missverständnissen und letztlich zum Tod führen kann. Und in diesem Fall zum Tod von Hannah.

Élite - Die spanische Erfolgsserie als Kombination aus Gossip Girl und Thirteen Reasons Why

von Laura Käfer
Mit blutverschmierten Händen steht ein verstörter Jugendlicher in Schuluniform hinter einer Fassade aus Glas. Auf der anderen Seite: Blaulicht, Polizei und Sirenengeheul. Wie ein Genre-Thriller beginnt die spanische Serie „Élite“, für die der amerikanischen Bezahlstreamingdienst Netflix gerade die vierte Staffel bestellt hat.
Élite handelt vordergründig von dem Leben der Reichen und Schönen, dem Luxus und das glamouröses Leben in Madrid. An der Privatschule "Las Encinas" lernt die junge Elite Spaniens – aber dann stoßen drei neue Mitschüler*innen aus ärmlichen Verhältnissen dazu. Nach einem Erdbebenschaden an ihrer alten Schule erhielten diese drei Schüler*innen ein Stipendium und sind damit gezwungen auf die Eliteschule zu gehen. Ihren neuen Mitschüler*innen heißen die Neuen nicht gerade willkommen. Kurz nach ihrer Ankunft geschieht ein Mord an einer Mitschülerin, welche die alten und neuen Schüler*innen versuchen auf eigene Faust aufzuklären.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Deutscher - Eine ZDFneo-Serie zeigt das neue Deutschland

von Herbert Schwaab
Zwei nebeneinanderstehende Häuschen in einer Wohnsiedlung irgendwo und überall in Deutschland. Sie werden immer wieder frontal von vorne in einer Einstellung gezeigt, die Symmetrie zwischen den Häusern betont und dadurch die unterschiedlichen Farben der Fassaden und weitere Unterschiede umso stärker herausstellt. Diese Einstellungen sind kunstvoll komponiert und gefilmt, sie bieten so etwas wie kleine Unterbrechungen in dieser eleganten seriellen Produktion. In diesen Häusern wohnen auf der von Zuschauerseite aus gesehenen linken Seite ein linkes Ehepaar, Christoph Schneider, das Klischee eines sozialdemokratischen Lehrers, den es wohl seit den 1980er Jahren nicht mehr so gibt, Eva Schneider, eine Mitarbeiterin in einer Apotheke. Der Sohn David koexistiert mit ihnen in dem Haus, spricht wenig mit ihnen und ist aus irgendeinem Grund sauer auf sie. Leider ist die Serie mit vier Folgen wohl zu kurz, um ums jemals zu erläutern, warum der Sohn so sauer ist. Auf der anderen, der von uns aus rechten Seite, wohnt die andere Familie, der Installateur Frank Pielke, seine Frau Ulrike, die für ihn die Buchhaltung macht. Der Sohn Marvin koexistiert auf eine ähnliche Weise mit ihnen und ist auch sauer, aber hier wissen wir nicht mal genau auf wen, außer dass er einen Konflikt mit den Mitschülern mit migrantischen Hintergrund hat, dessen Ursache wir auch nicht kennen. Vier Folgen reichen wohl nicht, um ums auch das zu erklären. Warum er mit David aus der Nachbarsfamilie so eng befreundet ist, bleibt auch eher im dunkel, wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass sie sich in ihrem schweigsamen, apathischen Verhalten und ihrem unbestimmten Sauer sein auf die Eltern einfach sehr ähnlich sind. Die Familie tut selten etwas anderes als im Garten zu grillen, und das begeistert David von nebenan auch sehr. In dieser Serie ist es übrigens immer Sommer, und der macht sich gut im Design der ruhigen Bilder. Und Papa Pielke ist, natürlich als kleiner Selbständiger, nicht unbedingt links.

Fleabag – ein charmanter Einblick in eine überzogene Realität

von Lea-Jasmin Kienle

Die Serie „Fleabag“, nach dem gleichnamigen 1-Person-Theaterstück der Autorin und Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge befasst sich gnadenlos ehrlich mit der Geschichte einer jungen Frau (auch gespielt von Waller-Bridge), die trotz Verlusten und unglücklichen Beziehungen versucht, sich durch das Leben in London zu schlagen.
Obwohl diese erste Beschreibung für viele nur nach einer weiteren stereotypischen, unoriginellen Serie klingt, bietet „Fleabag“ doch so viel mehr. Anstatt einer oberflächlichen Storyline, die flache Witze liefert und keine tiefen Einblicke in die Charaktere zeigt, kann diese Serie durch das Gegenteil punkten.