von Felix Rieger
An der Wand eines Flures lehnt kaum sichtbar zwischen nur halb befüllten Müllsäcken ein Fahrrad, das wohl schon länger nicht mehr benutzt wurde. Eine tote Ratte liegt plattgedrückt auf dem Boden, eine zweite kriecht aus den Geschirrbergen hervor und verschwindet sofort wieder im Dickicht aus alten Verpackungen, Gerümpel und sonstigem Unrat. Heidi, so sagt sie zumindest, wollte einfach nicht mehr sauber machen. Es braucht keinen Abschluss in Psychologie, um die absolute Resignation der Leipzigerin zu spüren. Ihre Ehrlichkeit wirkt erschreckend entwaffnend auf mich, nervös kratze ich mich am Oberarm. Fast fehlt mir die Motivation, mich über sie lustig zu machen. Und das, obwohl ich mich schon innerlich darauf gefreut hatte, mich im Rahmen der nun folgenden zwei Stunden TV-Voyeurismus daran aufzugeilen, dass ich im Gegensatz zu Heidi sehr wohl in der Lage bin, meinen Haushalt zu schmeißen (oder wenigstens lasse ich ihn nicht komplett vor die Hunde gehen). Heidi hingegen hat leider das Pech, eine der Protagonisten eines weiteren Versuchs, mit der medialen Ausschlachtung von Einzelschicksalen Quote zu machen, zu sein.
